Kadavar  Berlin200pxKADAVAR sind ein Phänomen, dass sogar die Metalwelt erschüttert hat. Denn seit den Auftritten der Band auf diversen eher vom Metal geprägten Festivals wird die Formation kräftig diskutiert, aber nie abgelehnt. Der Proto-Metal kommt gut an und freut HAWKWIND- und BLACK SABBATH-Fans gleichermaßen. Die mitreißende Energie, welche die drei enthusiastischen Musiker bei jedem Auftritt freisetzen, ist beindruckend.

Berlin ist als Schmelztiegel und Brutstätte für Kunst und Musik bekannt und da lag es wohl nahe, auch das neue Album nach der Wiege der Truppe zu benennen. Als sich die drei Jungs von KADAVAR 2010 in Berlin gefunden hatten, war es für sie noch nicht absehbar, dass ihre musikalische Neigung sie mal rund um den Globus führen würde. Tatsächlich waren KADAVAR mit ihrem letzten Album „Abra Kadavar" sogar anderthalb Jahre unterwegs, sodass man sich fragt woher sie die Zeit nehmen Lieder zu schreiben und auch noch in Albumqualität einzutüten. Mit dem Albumtitel „Berlin" verarbeiten „Lupus", „Tiger" und „Dragon" die magische Bandgründung auch gleich ohne Kompromisse einzugehen. Lediglich das Cover wird viele Erstaunen, da erstmals keine Bärte als Blickfang zu sehen sind, sondern eine junge Dame mit großer Sonnenbrille, in der sich der Flughafen Tempelhof spiegelt. KADAVAR haben das Motiv des Covers nicht ohne Grund so gewählt und auch offensichtlich in „Thousand Miles Away From Home" musikalisch aufgearbeitet - die Truppe ist ja auch ständig auf Achse oder in der Luft.

Wenn man, so wie ich, die Band vier Mal in diversen Milieus erleben konnte, hat man kein Problem den Einstieg in „Berlin" zu finden. Die gleiche urwüchsige Energie, welche einen zu Beginn einer jeden Show mitreißt, erfasst den Hörer ebenfalls, Wenn er mit „Lord Of The Sky" in das Album startet. Der Klang des Songs ist vergleichbar mit dem Eindruck, den man von den Livegigs hat. Überhaupt merkt man recht schnell, dass KADAVAR auf „Berlin" die beiden vorherigen Alben weit hinter sich lassen. Ich bin verblüfft wie kräftig „Lupus" Stimme sich im direkten Vergleich zu z.B.: „Doomsday Machine" anhört. Es ist offensichtlich wie sehr KADAVAR gereift sind, denn es geht weiter mit "Last Living Dinosaur", ein Song mit kräftigem Stonerrock - Einschlag in dem sämtliche Trademarks der Band zu Tage treten. Wohlweißlich wurde auch ein offizielles Musikvideo abgedreht.

Die Erlebnisse „on the road" sind nicht spurlos an der Band vorbeigegangen. Deutlich kann man in „Thousand Miles Away From Home" die Strapazen der Tour heraushören. Mit leicht melancholischem Unterton heißt es da „No Pain - No Gain"!
„Berlin" hält einige Überraschungen parat. So ist der Übergang zwischen „Pale Blue Eyes" und „Stolen Dreams" nahtlos, was Live sicher großartig kommt.
„Stolen Dreams" treibt ohne Ende mit einem simplen, aber starken Riff nach vorne und hat ein wildes Solo für alle Freistil-und Jam-Freaks zu bieten. Im weiteren Verlauf badet man förmlich in großartigen 60er und 70er Reminiszenzen wie „See The World With Your Own Eyes". Aber was wären KADAVAR, wenn sie nicht noch ein Ass im Ärmel hätten. „Into The Night" wäre, meiner Meinung nach, eine noch bessere Singleauskopplung als „Last Living Dinosaur". Das Lied ist griffig, kompakt und perfekt, um die Fans sich bei einem Gig nochmal richtig austoben zu lassen. Die absolute Überraschung folgt als Bonus am Ende des Albums. „Reich der Träume" ist ein Lied der umstrittenen Künstlerin NICO, welche eher durch Drogeneskapaden auf sich aufmerksam machte, als durch gute Musik. Dieser Titel hatte jedoch immer schon das gewisse Etwas und so stülpen KADAVAR dem Stück ihr Soundgewand über, geben dem Ganzen Struktur. Sänger „Lupus" verblüfft mit einer großartigen Interpretation der Gesanglinie, die im Original chaotisch wirkt und einem die volle Aufmerksamkeit abringt, um am Ball zu bleiben.

Wie bisher jedes Album ist auch "Berlin" live im Proberaum eingespielt. Diesmal klingt jedes Instrument noch direkter, der Gesang noch authentischer verzerrt, denn man gab sich große Mühe so viel originales Equipment wie möglich zu benutzen. Im direkten Vergleich wirken die ersten beiden Alben blass und vergilbt. Der Gesang ist dünn und kauzig. Nichts davon ist auf „Berlin" zu hören. KADAVAR sind erwachsen geworden und sind mit dem dritten Album über sich hinausgewachsen.
Was mich immer davon abhält mir die Vorbilder von KADAVAR intensiver anzuhören ist die Tatsache, dass mir das Gesamtpaket nie wirklich zusagt. KADAVAR haben es geschafft die Essenz aus allen, so genannten Klassikrock-Bands, zu ziehen. Trotz aller eventuellen Gemeinsamkeiten gehen die drei Männer, die sich vor fünf Jahren in Berlin zusammenfanden, ihren eigenen Weg und überzeugen aufs Neue mit einem starken Album. (Andreas)

Bewertung: 9 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 52:14 min
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichungstermin: 21.08.2015

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