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NileSuffocation FlyerAm 02.09.2015 gastierten die Technical Death Metal-Götter NILE im Rahmen ihrer Tour zum neuen Album „What Should Not Be Unearthed" in der Garage in Saarbrücken und hatten mit SUFFOCATION, TRUTH CORRODED und BLOODTRUTH ein fettes Package mit im Schlepptau. Da habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, die Herrschaften mal wieder live zu bewundern und fand mich zur unmöglichen Uhrzeit um 17:30 Uhr vor Ort wieder.

Die Garage war zu diesem Zeitpunkt schon rappelvoll – das würde ich normalerweise in die meisten Konzertberichte schreiben. Pustekuchen. Dieses Mal herrschte, mag es wegen der frühen Uhrzeit oder wegen der nicht gerade massentauglichen Musik gewesen sein, absolut gähnende Leere. Es waren vielleicht um die 20 Leute vor Ort. Schon ziemlich erschreckend. Naja, davon habe ich mich noch nie abhalten lassen.

BLOODTRUTH
Für die Italiener BLOODTRUTH tat es mir schon ein bisschen leid – die Jungs begannen ihr Set um 18 Uhr vor einer quasi leeren Halle. Das ist schon eine ziemlich harte Situation für eine Band. Davon ließen sie sich jedoch nicht beirren, unter sakralen Kirchenchor-Klängen betraten sie die Bühne und nach dem Ausklingen des Intros trümmerte der Vierer aus Italien gleich mächtig los. Das dünn gesäte Publikum ließ sich davon allerdings wenig beeindrucken. Und auch ich muss sagen, dass mich die Musik nicht überzeugen konnte. Da war zu wenig Originalität, zu wenig Eigenständiges, um mich als altgedienten Todesblei-Fan hinter dem Ofen hervorzulocken. Das Präsentierte war keineswegs schlecht, nur hat man dergleichen eben mittlerweile gefühlte tausend Male von anderen Bands bereits gehört. Darüber hinaus hatten die Italiener mit dem mittlerweile ja schon typischen Problem der Garage zu kämpfen: dem Sound, der dreckig und wie Brei aus den Boxen dröhnte und das letzte bisschen Eigenständigkeit der Band gnadenlos untergehen ließ. Es blieb zu hoffen, dass sich das an diesem Abend noch bessern würde. Jedoch muss man hier noch sagen, dass die Italiener sich dennoch alle Mühe gegeben haben und durchaus Spielfreude zeigten, obwohl ihnen von den zwanzig Leuten im Publikum so wenig Gegenliebe entgegenkam. Nach ca. 30 min. war das Set zu Ende und die Jungs verließen die Bühne.

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Setlist
Surrounded By Blind Bigots
Suppurating Of Deception
Summoning The Heretics
Foresworn
Coerced To Serve
March Of The Fools
Obedience

TRUTH CORRODED
Während der ca. 20 min. dauernden Umbaupause sammelten sich noch einige Zuschauer mehr in der Garage, so dass TRUTH CORRODED aus Australien, als sie gegen 19 Uhr die Bühne enterten, bereits vor einer etwas größeren Menge spielen konnten. Auch die Australier ließen sich nicht beirren und traten das Gaspedal mit ihrer Mischung aus Thrash und Death Metal von Beginn an bis zum Bodenblech durch. Mit einer unbändigen Energie und Spielfreude ließen die sympathischen Jungs einen Brecher nach dem anderen auf das Publikum los, das jetzt auch endlich wach wurde und der Band etwas Leben entgegenbrachte. So entpuppten sich TRUTH CORRODED, die ich bis dahin überhaupt nicht kannte, schon als kleine Überraschung des Abends, die mir einen Heidenspaß gemacht haben. Das aggressive Stage Acting der Band wirkte in Kombination mit der brachialen Musik absolut fantastisch. Der Stil, der ein wenig an MALEVOLENT CREATION erinnert, ist schwierig einzuordnen und erfrischend originell. Zum Glück war der Sound hier auch schon um einiges klarer als zuvor, wenn auch noch nicht perfekt – aber es hat gereicht, um sich von den Qualitäten der Australier zu überzeugen und ich für meinen Teil hoffe, diese Band noch öfter in hiesigen Breiten bewundern zu dürfen. Auch hier war das Set nach ca. 30 bis 40 min. vorbei. Mir gefielen die Jungs gleich so gut, dass ich mir nach einem kurzen Plausch mit Sänger Jason gleich noch zwei Alben und ein Shirt mitgenommen habe. Sowas passiert mir nur noch selten. Respekt, TRUTH CORRODED! Weiter so!

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Setlist
Intro
Knives Of The Betrayed
Hunt All Heroes
Last Of My Flesh
The Fall Endless
Nothing Left Alive
Crown The Apocalypse
The Disfiguring

SUFFOCATION
Dieses Mal nahm der Umbau etwas mehr Zeit in Anspruch und das war auch gar nicht schlecht, denn so konnte sich die Garage noch etwas weiter füllen. So standen dann auch ca. 150 Leute vor der Bühne, als die Herrschaften von SUFFOCATION gegen 20 Uhr zu den Klängen von „Kilos In My Bag" des Rappers (!!!!) STITCHES die Bühne betraten – zur allgemeinen Erheiterung. Doch schließlich steht die Band aus New York nicht für Hip Hop, sondern für technisch hoch anspruchsvollen Brutal Death Metal, als dessen Begründer sie auch gilt. Die Jungs hatten offensichtlich von Anfang an nicht vor, Gefangene zu machen. Mit derber Brutalität zimmerten sie einen Hammer nach dem anderen in die Halle und versprühten dabei pure Spielfreude und unbändige Gewalt. Ricky Myers, der seit einiger Zeit als Live-Sänger für Frank Mullen einspringt, machte seinen Job absolut überzeugend, wenn er auch für viele nicht als gleichwertiger Ersatz für Mullen herhalten kann. Aber er drückt den Songs schon seinen eigenen Stempel auf und sorgt dafür, dass SUFFOCATION live auch weiterhin ein brachiales Paket aus Technik und Gewalt darstellen. 

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Mit ihrer technischen Mischung aus Death Metal und klassischen New York Hardcore-Elementen gehört die Band ohne Zweifel zum Originellsten, was man im Genre hören kann und zu den ganz wenigen Bands, die neben einer Hausnummer wie NILE nicht untergehen. Mastermind und Saitenhexer Terrance Hobbs präsentierte hier live ein unglaubliches technisches Repertoire und natürlich enttäuschten auch die Herren Boyer und Marchais keineswegs und packten alles aus, was sie zu bieten haben. Gepaart mit dem rohen, gewaltigen und jederzeit mit absoluter Präzision präsentierten Drumming von Kevin Talley schafften es die Brutal Deather, dem Publikum endlich eine gehörige Portion Leben zu entlocken, und endlich tat sich in der Crowd mal was. Leider wurden auch die New Yorker vom Brei-Sound der Garage geplagt, der zwar besser als zu Beginn des Abends war, aber immer noch weit von dem entfernt, was für diese Art Musik notwendig ist: nämlich Perfektion. Das spiegelte sich auch nach dem Konzert in den Aussagen des Publikums wieder, die zwar das Auftreten der Amerikaner in den höchsten Tönen priesen, aber bis auf wenige Ausnahmen fast unisono den Sound bemängelten. Hoffen wir, dass SUFFOCATION trotzdem nochmal wiederkommen. Nach etwa 50 min. war der Auftritt leider schon vorbei und das Publikum bekam die Gelegenheit, nochmal durchzuatmen.

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Setlist
Thrones Of Blood
Breeding The Spawn
Mass Obliteration
As Grace Descends
Liege Of Inveracity
Entrails Of You
Catatonia
Effigy Of The Forgotten
Purgatorial Punishment
Pierced From Within
Funeral Inception
Infecting The Crypts

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NILE
Nach der längsten Umbauphase an diesem Abend betraten schließlich unter donnerndem Applaus und zu den Klängen von „Ushabti Reanimator" vom neuen Album „What Should Not Be Unearthed" die Technical Death Metal-Meister NILE die Bühne der Garage. Karl Sanders, George Kollias, Dallas Toler-Wade und die frische Bass-Verstärkung Brad Parris ließen von Beginn an keinerlei Zweifel aufkommen, wer an diesem Abend der Platzhirsch war. Mit „Sacrifice Unto Sebek" startete man das Set mit einer derartigen Brachialität, wie ich es bisher selten erlebt habe. Offensichtlich war die Vierertruppe bestens gelaunt und das wurde vom Publikum auch honoriert, wenn auch die nicht gerade eingängige Natur der Musik übermäßige Headbang-Orgien verhinderte. Dafür honorierte das Garagenpublikum die Energie und Spielfreude von Sanders und Co. auf andere Art. Sanders und Toler-Wade wechselten sich in ihren Ansagen auf der Bühne brav ab und präsentierten einen bunten Querschnitt durch NILE's komplette Diskografie mit gewohnt hoher Präzision und Brachialität. Neuzugang Brad Parris überzeugte am Bass absolut und ist eine perfekte Ergänzung zum virtuosen Gitarrenspiel von Sanders und dem abartig schnellen und präzisen Drumming von Kollias. Überhaupt gewinnt man bei einem NILE-Konzert ein ums andere Mal den Eindruck, dass diese Band technisch betrachtet nicht von dieser Welt ist. Ein absoluter Wahnsinn!

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Selbstverständlich wurden auch einige Songs vom neuen Album live zelebriert, und diese gefielen dem Publikum offensichtlich ebenso gut wie mir. Toler-Wade bedankte sich nach etwa der Hälfte des Sets auch noch extra dafür, dass das Publikum die Smartphones stecken ließ und sich auf das Konzert konzentrierte. In einer Zeit, wo man als Band beim Blick ins Publikum statt rotierender Köpfe und fliegender Haare eher Smartphones und Blitzlichter vor sich hat, war dies sicher ein positiver Faktor für die Jungs und sie hatten das ganze Set über sichtlich Spaß und bezogen auch das Publikum immer wieder in ihre Albereien zwischen den Songs ein. All diese Faktoren, die musikalische Genialität, die Lockerheit, die Spielfreude und Sympathie, machen NILE zu einer der besten und sehenswertesten Live-Bands, die es im Death Metal gibt. Zum Sound gäbe es noch zu sagen: auch bei NILE war dieser leider nicht perfekt, aber wenigstens sauber, so dass man die musikalischen Granaten, die sie ins Publikum feuerten, wenigstens genießen konnte. Definitiv hatten NILE den besten Sound an diesem Abend. Nach einer guten Stunde beendeten sie dann ihr Set mit „Black Seeds Of Vengeance" und ich ging, mit einem Tour-Shirt unter dem Arm, äußerst zufrieden nach Hause.

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Setlist
Ushabti Reanimator
Sacrifice Unto Sebek
Defiling The Gates Of Ishtar
Kafir
Hittite Dung Incantation
Call To Destruction
In The Name Of Amun
The Blessed Dead
Ithyphallic
The Howling Of The Jinn
The Inevitable Degradation Of Flesh
Evil To Cast Out Evil
Sarcophagus
Lashed To The Slave Stick
Black Seeds Of Vengeance

In eigener Sache: herzlichen Dank an meinen Kollegen Klaus für die großartigen Bilder und an meine Kollegin Anne für die Galerie.


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