leprous malinaZu Beginn ihrer Karriere fanden die Norweger als Begleitband von ISHAN zusammen und waren tief im Underground verwurzelt. Mit dem Plattenvertrag bei Inside Out ging es immer weiter bergauf, vor zwei Jahren haben LEPROUS mit „The Congregation“ nach Meinung vieler schon ihr Meisterwerk veröffentlicht. Seitdem hat sich einiges geändert, mit Oystein Landsverk verabschiedete sich der langjährige Gitarrist, für den nun Robin Ognedal übernimmt. Auch die vier Saiten wurden wieder neu besetzt, hier ist fortan Simen Borven zuständig. Damit sind vom originalen Line-Up nur noch die beiden Kreativköpfe Einar Solberg und Tor Oddmund Suhrke übrig. Die haben in den vergangenen Jahren ihren Stil immer weiter verfeinert und wollen sich nun auch auf „Malina“ noch weiter entwickeln.

Man könnte sagen, dass es ihnen gelungen ist, denn schon die ersten Töne lassen sich sofort eindeutig zuordnen. Spätestens seit dem letzten Album klingt keine Band so wie sie, haben sie sämtliche etwaigen Querverweise über Bord gekippt. Dieses Alleinstellungsmerkmal kommt natürlich vor allem in Prog-Kreisen immer gut an, suchen doch die Fans nach neuen Ideen. Wobei sie dem progressiven Rock ja schon längst entwachsen sind, und vielmehr avantgardistische Gefilde ansteuern.
Zielsetzung beim nunmehr sechsten Longplayer, so man die Eigenproduktionen dazu rechnet, war dieses Mal einen organischeren Klang hinzubekommen. Die Produktion gaben sie in die Hände von David Castillo, Jens Bogren übernahm dieses Mal lediglich den Mix. Und ebenso wie LEPROUS mit den ersten Tönen zu identifizieren sind, so ist nicht zu überhören, dass die oft kalte Atmosphäre etwas gewichen ist. Natürlich liegt immer noch dieses Flirren in der Luft, das sich durch ihr gesamtes Werk zieht.

Ein Stück weit kopflastig waren sie schon immer, manchmal wirkte das schon etwas steril. Doch nun können sich die Emotionen noch viel besser entfalten, bislang auch ein Manko bei der Zugänglichkeit ihrer Musik. Bestes Beispiel sind die Synthesizer in Liedern wie „Illuminate“ oder „Captive“, die eben nicht mehr mechanisch klingen, sondern eher Berliner Luft atmen. Ist ersterer eine getragene Idee davon, wie FATES WARNING klingen könnten, wenn sie den Post Rock entdecken, so gehört der zweit genannte zu den härteren Stücken auf „Mailna“.
Hier werden die Tastenflächen sehr geschickt unter die vertrackte Rhythmik der Gitarren geflochten. Noch abgefahrener von den Saitenattacken her klingt „Coma“, während „The Weight Of Disaster“ das dissonanteste Lied, zwischen ruhigen Passagen und plötzlichen Riffschüben abgibt. In „Mirage“ dürfen sich sämtliche Saitenartisten, egal wie viele sie aufgezogen haben, zu fiebrigen Keyboards austoben, und loten dabei ungeahnte Tiefen der Töne aus.

Dennoch muss man festhalten, dass der Härtegrad weiter gesunken ist, auch wenn ihre Musik unter Prog Metal gehandelt wird, so sind LEPROUS mittlerweile im Prog Rock angekommen. Dieser Übergang mäanderte ebenso fließend durch ihre Karriere, wie die Strukturen in vielen ihrer Songs. Als bestes Beispiel fungiert hier der Opener, der schon im sehr sanften Beginn auf Polyrhythmik setzt. Analog zu den anschwellenden Synthesizern, die erst nur spurenhaft vorhanden sind, gewinnt auch das Schlagzeug bei „Bonneville“ immer mehr an Fahrt und haut uns fortwährend wuchtige Breaks um die Ohren, die sich dennoch gut in den Song einbetten.

Die neue Herangehensweise macht sich bezahlt, auf dem neuen Album ist alles mehr im Fluss und spannender als zuvor. „Stuck“ darf beherzt rocken und mit Harmonien glänzen, während das getragene „From The Flame“ sich am ganz großen Refrain probiert und mit cool verfremdeten Orgelklängen überrascht. Immer wieder öffnen sich Räume, in die der Hörer weiter hinab tauchen kann, bis am Ende das geigenverhangene „The Last Milestone“ sich gänzlich über einem ausbreitet. Für mich ist „Malina“ sogar noch ein bisschen besser als „The Congregation“, ein gutes Zeichen dafür, dass sich die Norweger nicht auf den guten Kritiken ausruhen und den Höhepunkt womöglich noch vor sich haben. (Pfälzer)

 

Bewertung:

Pfaelzer7,5 7,5 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 59:16 min
Label: Inside Out
Veröffentlichungstermin: 25.08.2017

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter
Anmelden


Annes Avatar
Anne antwortete auf das Thema: #22067 2 Monate 2 Wochen her
LEPROUS sitzen so dermaßen zwischen allen Stühlen, dass man die am besten durch Sitzkissen ersetzt und auf dem Boden rumlümmelt. Und dabei freue ich mich über dieses neue Album. Und ich freue mich, wie weit es LEPROUS mittlerweile gebracht haben. Nach diversen Touren als Support und einer ersten Headlinertour spielen sie derzeit eine Headlinertour mit größtenteils ausverkauften Konzerten. Und das völlig zu Recht.

Die Norweger sind eine Klasse für sich und das stellen sie auch mit ihrem neuesten Album „Malina“ wieder unter Beweis. Leichtfüßig und unglaublich sanft startet man mit „Bonneville“ ins Album. Schon bei den ersten Melodien zeigt Einar Solberg seine Klasse und beweist, dass er einer der unterbewertetsten Sänger der Szene ist. Zum Ende hin steigert sich „Bonneville“ immer mehr und begibt sich langsam in Richtung „Stuck“, das fast schon fröhlich daherkommt und eigentlich eher Rock als Metal ist, aber was interessieren sich LEPROUS schon für Genres?

Bei „Stuck“ steht Einars Gesang im Vordergrund, ganz allmählich nimmt der Song Fahrt auf und steigert sich immer mehr, pointiert eingesetzt Synths geben dem Song die richtige Würze. Dieses Stück ist eindeutig eines meiner Favoriten auf diesem Album. Wobei das jetzt auch wieder doof ist, denn wie soll man sich bei einem Album voller guter Songs für einen entscheiden?

Zugegeben, „Malina“ ist keine leichte Kost, diese Scheibe muss man sich als Hörer doch etwas erarbeiten. Doch dann wird man durch ein fantastisches Album einer großartigen Band belohnt. Einar Solberg beindruckt mich auf „Malina“ einfach immer wieder. Der Mann hat einfach eine tolle Stimme, auch wenn ich mit hohem Männergesang in der Regel nicht so wirklich viel anfangen kann. Dabei ist es auch völlig egal, ob die Norweger eher seichte Songs wie „From The Flame“ präsentieren oder variantenreiche wie „Illuminate“, bei dem zunächst Einars Stimme klar im Vordergrund steht, bevor sich die Instrumente im Songverlauf immer weiter nach vorne kämpfen, bis sie schließlich die Oberhand gewinnen.

Dann gibt es noch Songs wie das rhythmische „Captive“, das man fast schon als grob bezeichnen kann, während es gleichzeitig doch ziemlich anspruchsvoll für den Hörer ist. Oder das balladeske „Leashes“, das ruhig und langsam vor sich hin plätschert und mit seinen langen Instrumentalpassagen zum Träumen anregt. „Mirage“ geht dann noch einmal in eine ganz andere Richtung und klingt fast schon poppig, wäre da nicht der massive Einsatz von schrägen Synths, die dem Song einen düsteren Anstrich verleihen. Dennoch ist „Mirage“ ein Stück, das man fast schon als eingängig bezeichnen könnte.

Der Titelsong „Malina“ beginnt ähnlich sanft, ja zärtlich, wie das Album. Ganz langsam arbeitet man sich im Song vor, Streicher unterstützen Einars Stimme, bis nach und nach alle übrigen Instrumente immer mehr Raum gewinnen und das Stück übernehmen. Doch immer wieder gibt es lange, ruhige Passagen, in denen Einars klare Stimme über allem liegt. „Coma“ nimmt da wieder deutlich an Fahrt auf, ist jedoch nicht nur kurz, sondern auch ziemlich experimentell und kurz ausgefallen.

Auch „The Weight Of Disaster“ ist ziemlich vertrackt, zumindest auf der instrumentalen Seite. Das Stück entwickelt sich nach dem etwas schwierigen Einstieg dann aber doch noch zu einem richtig coolen Song. Leider endet es gerade dann völlig unvermittelt, wenn man sich so richtig heimisch darin fühlt. Der letzte Titel, der passenderweise auf den Namen „The Last Milestone“ hört, ist gleichzeitig auch das längste Stück des Albums. Wie viele Songs auf „Malina“ beginnt es sehr ruhig, Einars Gesang ist extrem hoch, fast schon sakral, unterstützt zunächst nur von Streichern. Leider passiert sonst nicht sehr viel, so dass der Song sich mit der Zeit schon etwas zieht.

Das wäre dann aber auch das einzige Stück der Platte, das mich nicht wirklich überzeugen kann. In seiner Gesamtheit ist „Malina“ ein hervorragendes Werk geworden mit einem wunderbaren, sehr organischen Sound. Man könnte jetzt bemängeln, dass der Gesang oft zu sehr in den Vordergrund gemischt wurde, aber mal ehrlich, was soll man mit einer Stimme wie der von Einar Solberg denn sonst machen? Die kann man doch nicht hinter irgendwelchen Instrumenten verstecken! „Malina“ klingt an vielen Stellen federleicht, wirkt wie ein schwebender Tanz und holt den Hörer doch immer wieder auf den Boden zurück. Man könnte jetzt auch darüber streiten, ob das noch Metal ist, aber – das ist einfach scheißegal. „Malina“ ist ein Album, das man gehört haben sollte. (Anne)

Neckbreaker präsentiert

Neckbreaker auf Facebook

nb recruiting 2015

nb forum 2015

nb gallery 2015