hammerfall tourflyerIn einer Ansprache während des Konzertes machte es HAMMERFALL-Frontmann Joacim Cans deutlich, als er anmerkte, dass man vor achtzehn Jahren wohl etwas los getreten hat. Sowohl für die Band, das Powermetalgenre, als auch für ihr Label Nuclear Blast standen von da an die Zeichen auf Sturm. Während der längst tot geglaubte traditionelle Metal eine Renaissance erfuhr, Bands wie ICED EARTH oder GAMMMA RAY zu neuen Höhenflügen aufschwangen, starteten im Zuge des HAMMERALL-Debüts so Karrieren wie EDGUY oder FREEDOM CALL. Für die Plattenfirma war das der Auftakt zu fünf Chartnotierungen in Folge, nachdem man lange darauf gewartet hatte. In der Folge überholte man die nationale Konkurrenz von Century Media u.a. und etablierte sich als eines der führenden Labels weltweit. Heute haben HAMMERFALL ihre Führungsrolle abgegeben, doch für Top Ten-Notierungen und volle Hallen sind die Schweden immer noch gut. Bei ihrer Tournee zu "(R)Evolution" wurden sie vom All-Star-Projekt SERIOUS BLACK und den Aufsteigern ORDEN OGAN begleitet.

SERIOUS BLACK
Wobei man sich bei dem eröffnenden Ensemble schon fragen durfte, wo denn die Stars sind. Sowohl der frühere BLIND GUARDIAN-Drummer Thomen Stauch als auch Gitarrist Roland Grapow, der nach seinem Gastspiel bei HELLOWEEN MASTERPLAN aus der Taufe hob fehlten. Stauch wurde zumindest musikalisch adäquat von FREEDOM CALL-Schlagzeuger Rami Ali vertreten, während ich Grapows Ersatz nicht kannte. Aber wie gesagt, änderte das wenig an der Musik des Sechsers, der die Lieder seines Debüts "As Daylight Dies" sehr gekonnt unters Volk brachte.

Jenes Werk pendelt geschickt zwischen geradlinigen Metal, tollen Melodien und dezenten progressiven Einschüben. Schon beim Opener "Temple Of The Sun" demonstrierte Urban Breed seine stimmlichen Qualitäten, mit denen er die Melodiebögen sehr sauber meisterte. Ein für diese frühe Zeit in der Garage guter Sound half da natürlich mit, dass sich das Material voll entfalten konnte. Unterstütung bekam der Sänger in de griffigen Refrains von Keyboarder Jan Vacik, dessen Tastenspiel ebenfalls transparent heraus zu hören war. Die Erfahrung des Frontmannes war auch seinem Stageacting anzusehen, welches sehr sicher wirkte, ebenso wie der Umgang mit dem Publikum.

Der Rest der Truppe stand dem in nichts nach und gab von Beginn an Gas. Lediglich die geringen Platzverhältnisse hinderten die Sechs daran, sich richtig auszutoben, das die komplette Bühne umspannende Backdrop hing vor der Backline des Hauptacts. Die Spielfreude war den Jungs dennoch anzusehen, die Umbesetzungen fielen nicht ins Gewicht, Dominik Sebastian und sein neuer Axtpartner waren gleichwertig. Es wurde auch immer unter den Musikern gescherzt, für so ein Projekt offenbarten SERIOUS BLACK ein geschlossenes Bandgefüge.
Auch musikalisch wusste der internationale Haufen zu überzeugen, die leicht progressiven Nuancen und verspielteren Arrangements in Liedern wie "Akhenaton" waren nie Selbstzweck. Dazu trafen die Melodiebogen von "High And Low" oder "Sealing My Fate" voll ins Ziel und sorgten in der schon gut gefüllten Halle für reichlich Zustimmung. So stieg die Stimmung früh am Abend auf ein ordentliches Level, die Herren werden sich mit dem Auftritt sicherlich ein paar neue Fans erarbeitet haben.

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ORDEN OGAN
Die nun folgende Formation hatte ich bisher nicht so auf dem Schirm, jüngste Erfolge ließen aber mein Interesse steigen. Dabei hatte das Quartett keinen leichten Einstand, denn nach dem Intro wurde festgestellt, dass der Leadgesang war ausgefallen. Hier zeigte sich aber die Routine, welche die Jungs schon haben, denn das Malheur wurde locker überspielt. Dabei kam es ihnen zugute, dass viele im Publikum mit ihrem Material vertraut sind und die eröffnende Bandhymne mitsangen. So hatten die Mannen um Sänger und Gitarrist Sebastian "Seeb" Levermann leichtes Spiel mit der gut angeheizten Menge.
Das Problem mit dem wenig zur Verfügung stehenden Platz hatten die Arnsberger zwar auch, doch ihre Fantasy-Rüstungen waren ohnehin nicht dazu geeignet auf der Bühne die große Show abzufackeln. Sie setzten mehr auf ihre Präsenz und die Wucht ihrer Songs. Dazu kam vor allem bei ORDEN OGAN der Spaßfaktor am stärksten an dem Abend zum Tragen, Seeb verfügt schon über gute Entertainerqualitäten und auch durchaus komödiantisches Talent. Dazu bezog er das Publikum immer mit ein, forderte sie, teils mit witzigen Spielchen immer wieder zum Mitmachen auf, was die Stimmung zusätzlich anhob.

Vom musikalischen her überzeugte vor allem die Gitarrenarbeit von Seeb und Tobias Kersting, der ein paar feine Soli rausfeuerte. Die Band hat den Vorteil, alle Facetten des Genres bedienen zu können, um damit ein abwechslungsreiches Set liefern zu können. Egal ob kraftvolle Hymnen wie "F.E.V.E.R.", eher schunkeliges zum Interagieren wie "We Are Pirates" oder metallische Kracher im Stile von "Deaf Among The Blind", alles war an Bord. Was mich auch hier wieder, wie bei vielen neuen Bands stört, ist der massive Einsatz von Einspielungen, die alles ein wenig steril gestalten, und zu Lasten der Spontaneität geht. Hier wäre ein Keyboarder auf der Bühne durchaus wünschenswert. Das änderte nichts daran, dass ORDEN OGAN am Ende amtlich abgefeiert wurden.

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HAMMERFALL
In der sehr langen Umbaupause konnte man beim Blick auf die Bühne schon ein wenig enttäuscht sein, denn hinter den beiden großen Backdrops der Vorband kam eine eher unauffällige Bühnenproduktion zum Vorschein. Ein kleiner Drumriser, eine Reihe Varilights darauf, mehr gab es nicht, keine Zugbrücke, keine Rampen, keine zehn Bassdrums. Doch das sollte kaum stören als die Fünf mit dem Opener ihres aktuellen Albums auf die Bühne stürmten. Sofort stand die gut gefüllte Halle hinter ihnen, kein Wunder, das Saarland musste wirklich lange auf sie warten. Obwohl Heavy Metal im kleinsten Bundesland immer gut geht, stand dieses nie auf dem Tourneeplan von HAMMERFALL.

Das wurde also wirklich mal Zeit, daher bereitete die Garage der Truppe einen tollen Empfang. Und die nahm den Ball sofort auf, und setzte ihrerseits eine Menge Energie dagegen. Wie immer präsentierten sich die Herren äußerst spielfreudig, der Spaß war ihnen einfach anzusehen. Den sich nun bietenden Platz auf den Brettern nutzten sie ausgiebig, die Saitenfraktion fand immer wieder zueinander zum ausgiebigen Posen. Dabei wirkte Stefan Elmgren am Bass ein bisschen unterfordert, immerhin war er lange Jahre Leadgitarrist der Band.
Normalerweise ist auch Oscar Dronjak der schwächste an dem Instrument, doch als Bandboss und Songschreiber füllte er diese Rolle mit Bravour aus. Technisch versierter ist allerdings ganz klar der kleine Mann mit der Glatze, während sein Nachfolger Pontus Norgren ein paar feinfühligere Nuancen in das Gefüge einbringt. Nicht nur optisch erinnerte er mit seinem Strat-Nachbau an Yngwie J. Malmsteen, auch vom Spiel her hat er sich bei seinem Landsmann einiges abgeschaut. Elmgren durfte sich dann später bei einem längeren Instrumetaljam auch an seinem gewohnten Arbeitsgerät beweisen, was ihm sichtlich Freude bereitete.
Joacim Cans führte mit blendender Laune durch das Set, was mitunter daran gelegen haben dürfte, dass spätestens nach dem dritten Song laufend Sprechchöre aufbrandeten. Der Mann genoss den Applaus und gab sich auch kommunikativ, die Mitsinganimationen wurden allesamt lautstark angenommen. Dazu war er auch ständig zu Späßen aufgelegt, scherzte mit seinen Mitmusikern. Stimmlich scheint er seine Schwächephase vor ein paar Jahren überwunden zu haben, an dem Abend präsentierte er sich in guter Form und meisterte auch die höheren Passagen.

Vom Programm her stand der aktuelle Longplayer im Vordergrund, von welchem vier Songs gezockt wurden. An dem Abend sollte jedes Album zum Zuge kommen, auch „", der Outtakessammlung zum zehnjährigen Jubiläum. Eigentlich lobenswert, nur leider hätte man das ein oder andere Stück der letzten Alben durch eines von den ersten vier ersetzen können. Austauschbar ist das zwar nichts und alles wurde abgefeiert, doch wenn mit „Riders Of The Storm", „Hero´s Return" und „The Dragon lies Bleeding" drei Hammertracks im Instrumentalmedley nur kurz angerissen werden, hinterlässt das einen schalen Beigeschmack. Zumal bei 95 Minuten Spielzeit noch Luft nach oben gewesen wäre.

Nichtsdestotrotz sah die beim Headliner rappelvolle Garage einen gelungenen Einstand der Schweden. Diese zeigten, dass sie im Powermetal immer noch vorne mitmischen, was fliegende Haare und gereckte Fäuste im Publikum belegten. Die Reduktion der Showelemente verlagerte den Schwerpunkt auf das Stageacting, bei dem die Formation alle Register zog. Outfittechnisch war man konsequent in schwarz unterwegs, gab sich aber stilsicherer als in der Vergangenheit, wo doch das ein oder andere Klischee überstrapaziert wurde. Bleibt nur zu hoffen, dass sich HAMMERFALL nicht wieder so lange Zeit lassen, bis sie an der Saar vorbei schauen. (Pfälzer)

Setlist HAMMERFALL:
Hector´s Hymn
Any Means Necessary
Renegade
Bang Your Head
Bloodbound
Heeding The Call
Let The Hammer Fall
Threshold
400 m Medley
Life Live Now
Last Man Standing
Glory To The Brave
We Won´t Back Down
Hammerfall
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Templars Of Steel
Bushido
Hearts On Fire

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Alle Photos von DimmuBockBier

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