trespass footprintsintherockDie einzige wirkliche Fußspur, welche die Briten im Rock hinterlassen haben, ist der Song "One Of These Days", ihre Single von 1980. Leider hat man es in der Hochphase der NWOBHM nie geschafft, ein komplettes Album vorzulegen, weswegen die Band auch schnell in der Versenkung verschwand. Immerhin stand besagter Titelauf dem legendären "NWOBHM-´79 Revisited", der von Lars Ulrich zusammengestellt wurde. Es sollte bis 2013 dauern, bis sich die Band um Sänger und Gitarrist Mark Sutcliffe wieder zusammen raufte und sogar einen selbstbetitelten Longplayer aufnahm. Durch das schwindendende Interesse verließen bis auf Sutcliffe alle Musiker die Formation, so dass man nun in neuer Besetzung ins Studio ging. Welchen bleibenden Eindruck kann "Footprints In The Rock" hinterlassen?

Der ruppige Opener hat schon mal direkt dieses raue Element, welches die damalige Bewegung aus dem Punk entlieh, und auch sonst rockt "Momentum" treibend nach vorne. Diese Kante findet man im weiteren Verlauf eher seltener, am ehesten noch beim schnellen Titeltrack oder "Green Man", welches dezent modern ausfällt, aber bei weitem nicht so wie 1993 auf dem "Head"-Totalausfall. Hier trifft sich die rockige Attitüde mit düster-schwerem Riffing, um dann im Chorus die Leads auszupacken.
Genau dafür waren die Herren einst bekannt, die Huldigung der Siebziger-Legenden WISHBONE ASH und THIN LIZZY bestimmte ihr Werk, wie auch das vieler Kollegen. Eine davon sind die bis heute aktiven PRAYING MANTIS, das lässig rockende "Be Brave" könnte aus ihrer Feder stammen, bevor es dann im Refrain hymnisch anzieht. Die Gitarrenarbeit mit den Doppelleads, bei denen der Frontmann von Joe Fawcett unterstützt, ist absolut typisch für die damalige Zeit.

Nun geht es TRESPASS nicht darum auf ewig in der Vergangenheit zu schwelgen, wie sie es auf ihrem Album mit Neueinspielungen taten, sie transportieren das damalige Feeling und Songwriting klangtechnisch in die heutige Zeit. Dabei dürfen sich ihre Twinleads gerne in etwas düstererem Terrain austoben wie in "Beowolf And Grendel". Die schleppenden Staccatos, die Tempowechsel und der wuchtige Chorus machen das Stück zu einem der interessantesten. Ebenso schwerfällig zieht "Dragons In The Mist" unbeirrt seine Bahn, auf den stoischen Stampfrhythmus folgen tolle mehrstimmige Shouts, bei denen die Truppe auch gesanglich ansprechend zu arrangieren vermag.

Mark Sutcliffe hat immer noch sein klares, melodisches Organ behalten, mit dem er ein paar Akzente setzen kann wie etwa beim rockigen "Mighty Love", in dem die Leadfills fiebrig für Atmosphäre sorgen. Am ehesten an die Klasse von "One Of These Days" kommt das epische "Little Star" heran, dessen Strophe so richtig die Faust in die Luft beordert. Und auch im metallischsten Lied der Scheibe, "Prometheus" weiß er mit einer Theatralik ähnlich ihrer Landsleute HELL zu gefallen. Doch meist bedient man sich gerne mal Siebziger-Einflüssen, anstatt das reine Brett zu fahren, was immer wieder für Abwechslung sorgt. Da sticht das hippeske "Music Of The Waves" heraus, welches aber auch in den Neunzigern zu verorten gewesen wäre.

Diesen Spagat zwischen Classic Rock und Metal haben seinerzeit WITCHFYNDE besser hinbekommen, wobei man TRESPASS zugestehen muss, das sie sich gegenüber anderen Weggefährten wie GASKIN oder BLITZKRIEG, die es noch einmal wissen wollen, besser aus der Affäre ziehen. Vor allem soundtechnisch kann man absolut mithalten und vom Zusammenspiel hat der bunt zusammen gewürfelte Haufen auch wenig Defizite. Auch die Soloarbeit ist hervor zu haben, während Jason Roberts ein bisschen mehr Abwechslung an der Schießbude an den Tag legen könnte. Aufgrund der Vielfalt und einiger toller Riffs ist "Footprints In The Rock" Genrefans zu empfehlen, wenngleich die Großen wie SAXON ganz aktuell unangetastet bleiben. (Pfälzer)


Bewertung:

Pfaelzer6,5 6,5 / 10


Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 50:45 min
Label: Mighty Music/Target Group
Veröffentlichungstermin: 26.01.2017

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